Geballte Ladung Innovation

Der Holzfäller schaute nicht einmal hoch, sondern zischte nur durch die Zähne: „Ich habe keine Zeit, die Säge zu schärfen. Ich muss sägen!“

aus der Geschichte „Säge schärfen“ von Management Trainer und Beststeller Autor Stephen Covey

Seit einigen Jahren arbeiten wir innerhalb des Bereichs, in dem ich tätig bin, agil nach Scrum. Insgesamt entwickeln mittlerweile mehr als zehn Teams an mehreren Produkten gemeinsam Software. In regelmäßigen Iterationen, unseren Sprints, werden für unseren Kunden fachliche Anforderungen aber auch technische Themen umgesetzt.

Mit einem starken Fokus auf die kontinuierliche Bereitstellung von Kundennutzen sind die Mitarbeiter damit beschäftigt, alle Funktionen umzusetzen, die sie sich bei der Planung eines Sprints als Ziel vorgenommen haben. Jede Iteration zählt und bindet die Teams, um kurzfristig einen Mehrwert zu liefern. Iteration für Iteration gelangen so Lösungen in Richtung des Kunden. Die Aufmerksamkeit zur Erschaffung von Lösungen ist dabei intensiv und anhaltend.

Eine Fokussierung auf eine Sache – die Auslieferung – kann aber auch zu einem Mangel an Aufmerksamkeit bei etwas anderem führen: Innovation! Angesichts der dauerhaften Dringlichkeit zur Auslieferung von Releases besteht die Gefahr, jede Gelegenheit für Innovation zu verdrängen. Wann ist also überhaupt die Zeit, neue Dinge auszuprobieren?

Das Scaled Agile Framework (SAFe®) sieht hierfür eine spezielle (I)nnovations- und
(P)lanungsiteration vor. Und derer bedienen wir uns ganz einfach!

IP-Sprints bieten eine Gelegenheit für die Teams, an Aktivitäten zu arbeiten, die schwer in die kontinuierliche, inkrementelle Nutzenerzeugung für den Kunden zu integrieren sind. Dazu können gehören:

  • Zeit für Innovation und Exploration über das hinaus, was während „normaler“ Sprints möglich ist
  • Arbeiten an technischer Infrastruktur, Tools und anderen Lieferhindernissen
  • Wissensvermittlung zur Unterstützung von kontinuierlichem Lernen und Verbesserung
  • Zeit für Planungsevents (z. B. die Erstellung bzw. Anpassung der Roadmap für die nächsten drei bis sechs Monate), Verfeinerung des Backlogs einscließlich der weiteren Priorisierung von Features
  • Vieles andere mehr, was nicht mit dem Alltagsgeschäft zu tun hat

In unserem Bereich fand im Jahr 2018 im Mai und November jeweils ein IP-Sprint statt. Dabei gibt es hier bei uns nur wenige Regeln:

  • alle Teamgrenzen und Arbeitsplatzzuordnungen sind aufgehoben
  • jeder Mitarbeiter darf genau EIN Thema einreichen/präsentieren (d. h. wer mehr als eine Idee hat, muss jemanden finden, der das Thema bewirbt)
  • Themen werden in JIRA erfasst
  • IP-Themen können „beobachtet“ werden (Interesse anmelden)
  • Es findet keine Auswahl eines Themas nach Priorität (Anzahl Beobachtungen) statt; es zählt die Motivation der Beteiligten, ein Thema anzugehen

Die Mitarbeiter sind also aufgefordert, spannende und innovative Themen einzubringen, die sie dann gemeinsam mit Mitstreitern umsetzen. Dafür wird schon die erste Kreativität benötigt, denn die Ideengeber pitchen ihre Themen während einer Auftaktveranstaltung innerhalb einer Minute mit Hilfe selbst gestalteter A3-Poster, um noch die letzten Mitstreiter zur Umsetzung ihrer Idee zu begeistern.

Es bilden sich eigenständig neue Teams, die während des IP-Sprints an der Umsetzung eines Themas arbeiten. Neben der Umsetzung inhaltlicher Themen werden auch vielfältige Wissenssessions angeboten. Von „Entwicklertests in Java für Tester“ über Know-How zu Blockchain-Technologien bis hin zur Verifizierung von Clouddiensten kann alles dabei sein, was die Arbeit zukünftig erleichtert oder die Effizienz steigert. Prominente Beispiele sind weiterhin der Prototyp eines Chatbots für die Webseite unseres internen „Kunden“, der bei der Fachabteilung auf riesiges Interesse stieß oder auch die Verkürzung von Laufzeiten für automatisierte Regressionstests um mehrere Stunden.

So ein IP-Sprint mit ca. 150 Leuten, die mal eben „in die Luft geworfen“ werden und sich in kleinen, temporären Teams neu zusammenfinden, erfordert natürlich im Vorfeld auch einiges an Vorbereitung. Hier sind vor allem unsere Scrum Master gefordert. Räume und benötigte Hard- und Software müssen zur Verfügung stehen, Themen und Ideen inhaltlicher Struktur genügen (Definition of Ready auch hier). Und last but not least ist so ein IP-Sprint eben auch ein Sprint. Deshalb gilt es auch, am Ende ein Review  – wir haben uns hier für eine Bar Camp Variante entschieden – und eine übergreifende Retrospektive durchzuführen.

Begleitet wurden die bisherigen IP-Sprints auch von gemeinsamen Aktivitäten zur Stärkung des „Wir- Gefühls“. Über gemütliches Zusammenkommen zum Feierabend für einen Austausch über den aktuellen Stand der Themen, bis hin zum gemeinsamen Hot-Dog-Essen (serviert vom Leiter des Bereichs) in der Mittagspause.

Entwicklungsteams, die nach SAFe®arbeiten berichten außerdem, dass ihre Gesamteffizienz, Geschwindigkeit und Arbeitszufriedenheit durch regelmäßige Gelegenheiten, „ihre Batterien aufzuladen und ihre Werkzeuge zu schärfen“, verbessert werden. Abschließend lässt sich sagen, dass IP-Sprints auch für eines sorgen: Spaß!

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